Presse Titus
Mozarts "Titus" konzertant gefeiert
Ostsee-Zeitung
Greifswald. Vor siebzehn Jahren hat es ihn in Greifswald schon einmal gegeben, jenen Mozartschen "Titus", dem als eilig geschriebene und für den Meister so gar nicht typisch scheinende Krönungs-, Prunk- und Festoper schnell der Ruch des Unzeitgemäßen anhaftet. Nun war das Werk hier erneut zu erleben, diesmal konzertant und als einer der speziellen Beiträge des Theaters Vorpommern zum Mozart-Jahr.
Die Wahl war gut und die Überlegung schlüssig, mit einer Aufführung dieser vergleichsweise selten gespielten Oper Kenntnislücken zu schließen und Voruteile auszuräumen. Im Rahmen des 4. Philharmonischen Konzerts gelang dies vorgestern recht eindrucksvoll und überzeugend. Man sang italienisch, ersetzte die (ohnehin nicht von Mozart stammenden) cembalobegleitenden Rezitative durch verbindende Texte (Katja Klemt) und agierte ansonsten mit einem sängerischen Engagement, das weder Bühne, noch (verwickelte) Handlungsdarstellung vermissen ließ.
Gewiss, Mozart hat dieses der Prager Königskrönung Leopolds II. (6. September 1791) geschuldete Werk mit Blick auf festliche Huldigung geschrieben, aber er hat auch eine "vera opera" machen wollen, eine "richtige Oper". Und so gibt es zwar duchaus eher Formales im Sinne älteren Operntyps, aber auch das ist Mozart in seiner schönsten Auspägung; von vielen Arien, vor allem aber den Duetten, Terzetten und noch größeren Ensembles und Chören ganz zu schweigen. Hier durcbricht der Meister sehr individuell die dem Anlaß gemäße und geforderte Form. Die als Neapolitanerin wohl kundige Gattin Leopolds II. soll dies zu der Bermerkung veranlasst haben, es handle sich bei dem Werk um eine "deutsche Schweinerei" (una porcheria tedesca). Das wäre gut beobachtet - und von der anderen Seite der Barrikade als dickes Lob zu verstehen.
Im vollbesetzten Greifswalder Großen Haus hat man das auch so gesehen und Werk wie Protagonisten stürmisch gefeiert: Bestens aufgelegt die Solisten Raymond Sepe (Tito), Anette Gerhardt (Vitellia), Bini Lee (Servilia), Kerstin Descher (Sesto), Doris Hädrich (Annio) und Per Bach Nissen (Publio), der Chor in Hochform (Thomas Riefle) und das Philharmonische Orchester unter Koji Kawamoto in inspirierender Musizierlaune; alles in allem eine so sinnvolle wie ansprechende Mozart-Ehrung.
Ekkehard Ochs